Adoption
Es beginnt damit, dass wir gemeinsam mit unseren Pflegestellen und Christel, der Leiterin unseres sizilianischen Tierheims, entscheiden, welche Hunde wir als nächstes in die Schweiz holen sollen. Dies wird auf der Grundlage von Kapazität, Priorität und Interesse bestimmt. Anschließend bringt Christel die ausgewählten Hunde zu unserem Vertrauenstierarzt in Sizilien, um sicherzustellen, dass sie alle Impfungen und Reisedokumente haben. Bei Hunden, die älter als sechs Monate sind, wird vor der Reise eine Blutuntersuchung durchgeführt, um festzustellen, ob sie an Mittelmeerkrankheiten erkrankt sind. Darüber hinaus werden sie nach sizilianischem Recht kastriert.
Wenn der Reisetag endlich kommt, werden die Hunde von einem Fahrer unserer befreundeten Organisation (ARGO) im Tierheim abgeholt. Diese verfügt über ein spezielles Auto, das alle erforderlichen Standards für den Hundetransport durch Europa erfüllt und darauf ausgelegt ist, den Hunden den größtmöglichen Komfort zu bieten. Die Fahrt von Sizilien bis hierher dauert etwa 24 Stunden. Für die Hunde ist es eine anstrengende Reise sein, aber die meisten von ihnen kommen gut damit zurecht und wir wissen, dass sie beim Fahrer in sicheren und fürsorglichen Händen sind.
Wenn sie in Deutschland ankommen, treffen wir den Fahrer nahe der Schweizer Grenze und bringen sie durch den Zoll, wo sie den richtigen Stempel in ihre Pässe bekommen. Die Hunde reisen mit Traces aus Sizilien und dies wird auch vom Zoll kontrolliert. Wenn alle Hunde freigegeben sind, reisen wir in die Schweiz ein, verteilen die Hunde auf ihre Pflegestellen und bringen den Großteil hierher zu uns nach Birmensdorf.
In den folgenden Tagen beurteilen wir die Hunde. Wir beobachten ihr Temperament und entscheiden, welche Art von Zuhause für sie am besten wäre. Manchmal verhalten sich Hunde hier ganz anders als in Sizilien. Einige sind hier viel offener und selbstbewusster, andere haben jedoch große Angst oder zeigen andere Verhaltensweisen, die Zeit und Training erfordern, um sie zu überwinden. Hier können wir auch prüfen, ob wir ein Zusammenleben des Hundes mit Katzen für möglich halten. Ob der Hund einen ausgeprägten Jagdinstinkt hat. Ob er besitzergreifend ist. Ob er alleine zu Hause bleiben oder mit ins Büro kommen kann. Dies lässt sich in Sizilien oft nicht beurteilen, bevor der Hund zu uns in die Schweiz kommt.
Während die Hunde bei uns bleiben, haben wir nur die Möglichkeit, sie minimal zu trainieren, z. B. an der Leine laufen, mit Menschen und anderen Hunden sozialisieren und stubenrein machen. Sitzen und Bleiben sind keine Kommandos, die wir ihnen beibringen oder für notwendig halten. Wir können Welpen oft nicht 100 % stubenrein machen, während sie hier bei uns sind. Das wird die Aufgabe der neuen Familie sein.
Sobald wir glauben, dass der Hund bereit ist, bei seiner Familie einzuziehen, inserieren wir den Hund auf Tieronline.ch. Wenn Leute auf die Anzeigen reagieren, laden wir sie ein, den Hund hier oder auf der Pflegestelle zu besuchen. Manchmal hat ein Hund bereits Interessen, bevor wir Werbung für ihn machen. In diesen Fällen haben sie Vorrang und wir laden sie zuerst ein, den Hund zu besuchen. Letztendlich treffen wir die Entscheidung, welches Zuhause für den Hund am besten wäre. Das richtet sich nach den Bedürfnissen des Hundes und der Lebenssituation der Familie. Wir wählen Personen nicht danach aus, wer uns zuerst kontaktiert hat. Wenn wir eine Übereinstimmung finden, legen wir fest, wann der Hund umziehen kann.
Wir bringen den Hund immer zu seiner neuen Familie, damit wir sehen können, wo der Hund leben wird, und um sicherzustellen, dass die Umgebung sicher und angemessen ist. Wenn wir den Hund bringen, geben wir ihm ein Sicherheitsgeschirr mit, das die neue Familie während der Probezeit benutzen muss. Auch ihm vertrautes Trockenfutter, ausreichend für etwa eine Woche, verschiedene Leckerlis und etwas zum Knabbern geben wir ihm mit. In besonderen Fällen bringen wir möglicherweise auch ein Gitter und/oder einen Tracker mit, diese Gegenstände sollen aber wieder an uns zurückgegeben werden. Den Rest, was der Hund eventuell braucht, wie Spielzeug, Betten, Schüsseln und Autozubehör, soll die neue Familie am besten selbst organisieren. Unsere Hunde gehen immer probewohnen, das dauert in der Regel ein bis vier Wochen. Diese Phase ist wichtig für die neue Familie, für den Hund, aber auch für uns, um festzustellen, ob es auch wirklich das richtige Zuhause für unseren Schützling ist.
Am Ende der Probezeit wird entschieden, ob eine Adoption angemessen ist. Passt es nicht, kommt der Hund zu uns zurück und wir suchen weiter nach einer Familie. Doch in den allermeisten Fällen entscheiden sich alle Beteiligten für die Adoption. Anschließend erstellen wir einen Vertrag und senden ihn den neuen Besitzern zusammen mit dem Reisepass und den anderen Dokumenten des Hundes. Alle unsere Hunde sind bereits bei Amicus registriert, daher müssen uns die neuen Besitzer lediglich ihre Amicus Personen-ID mitteilen. Diese bekommt man, je nach Ortschaft, persönlich bei der Gemeinde, oder kann sie online beantragen. Mit dieser Info können wir den Hund auf den neuen Besitzer übertragen. Zeitgleich wird die Adoptionsgebühr fällig, diese deckt lediglich die Kosten für den Reisepass, den Transport, die Zoll- und Registrierungsgebühren und die Kastration des Hundes. Mit den Adoptionsgebühren verdienen wir kein Geld. Für Pflegekosten oder Tierarztkosten kranker Hunde sind wir vollständig auf Spenden angewiesen.
Unsere Adoptionsgebühren sind wie folgt:
Fr. 680.00 für kastrierte Rüden
Fr. 780.00 für kastrierte Hündinnen
Fr. 530.00 für Welpen / unkastrierte Hunde
Fr. 330.00 für ältere und/oder kranke Hunde
Nachdem der Vertrag unterzeichnet, die Gebühr bezahlt und die Übertragung auf Amicus gemacht wurde, ist der Adoptionsprozess abgeschlossen und wir alle wünschen dem Hund und seiner neuen Familie ein langes und glückliches gemeinsames Leben!
Sie sind nun dafür verantwortlich, dass Sie alle Anforderungen Ihres Kantons bezüglich der Hundehaltung erfüllen. Dass der Hund ordnungsgemäß auf Ihren Namen registriert ist, dass Sie Steuern für den Hund bezahlen, dass Sie an den erforderlichen Hundekursen teilnehmen, dass Sie über die richtigen Versicherungen für Ihren Hund verfügen und dass Sie sich als Hundebesitzer über die sich entwickelnden Gesetze und Verhaltensregeln informieren.
Es dauert erfahrungsgemäss etwa zwei Monate, bis sich der Hund ganz wohl fühlt in seinem neuen Zuhause, sich öffnet, seine ganze Persönlichkeit zeigt und die tägliche Routine eingekehrt ist. Vor allem sehr ängstliche oder traumatisierte Tiere brauchen natürlich dafür einiges länger. Generell empfehlen wir, in dieser Zeit nicht zu viel zu trainieren oder mit Schulungen zu beginnen. Es ist besser, sich nur darauf zu konzentrieren, eine enge Bindung zum Hund aufzubauen.
Wer einen Hund adoptiert, muss sich unbedingt bewusst sein, dass jedes Tier eine andere Vergangenheit hat. Im besten Fall fehlt ihnen nur die Erfahrung im Umgang mit Menschen und Umwelt. Daher kennen sie weder das Leben im Haus mit Familienanschluss noch andere für uns alltägliche Situationen wie Auto fahren, Strassenverkehr, Leine laufen oder die vielen neuen Reize beim Spaziergang. Meistens wurden die Hunde aber auch noch schlecht behandelt, vernachlässigt oder sogar gequält. Je nach Charakterstärke und Alter können diese schlechten Erlebnisse besser oder schlechter überwunden werden.
Wenn dann der Hund im neuen Zuhause ankommt, braucht er erstmal einfach Ruhe. Freunde und Bekannte müssen sich gedulden, zuerst muss der Hund sein neues Herrchen oder Frauchen kennenlernen. Wer einen eingezäunten Garten hat, sollte die ersten Tage auch noch nicht zwingend Gassi gehen. Wie viel man dem Vierbeiner zumuten kann, hängt natürlich schon davon ab, wie selbstsicher er ist. Das Allerwichtigste für ein schönes, zukünftiges Zusammenleben ist und bleibt GEDULD.
Ungefähr sechs Monate nach der Ankunft des Hundes in der Schweiz bitten wir Sie, bei Ihrem Tierarzt einen Bluttest namens „Grosses Reiseprofil “ durchzuführen, um noch einmal nach Mittelmeerkrankheiten zu suchen. Hunde, die älter als sechs Monate sind, werden schon mal vor ihrer Ausreise untersucht. Da es jedoch eine Weile dauert, bis sich die Parasiten im Blut vermehren, kann es sein, dass der Test in Sizilien zu nahe an dem Zeitpunkt der Infektion des Hundes durchgeführt wurde und der Test dann negativ anzeigt. Die Parasiten können auch im Knochenmark ruhen und später im Leben des Hundes ausbrechen. Wir bitten Sie daher, dies im Hinterkopf zu behalten, wenn der Hund im Laufe seines Lebens gesundheitliche Probleme hat, auch dann, wenn Sie diesen Bluttest nach sechs Monaten bereits durchgeführt hatten.
Bitte lesen Sie weiter unten über die Mittelmeerkrankheiten.
Wir bleiben gerne mit den Menschen in Kontakt, die unsere Hunde adoptieren, und freuen uns immer über Bilder und Updates von Ihnen. Und wenn Sie Fragen rund um Ihren Hund haben, zum Beispiel zu Gesundheitsthemen, zur Ausbildung oder wenn sich Ihre Lebensumstände wesentlich ändern, können Sie sich jederzeit an uns wenden.